Baden-Baden möchte Jugendtreffs schließen – Keine Kürzungen bei Kindern!

Jakob Hadnagy

Die Antwort auf die Geldsorgen in Baden-Baden findet die Stadtverwaltung unter anderem bei Kindern und Jugendlichen. Laut Konsolidierungsliste sollen bei der Kinder- und Jugendarbeit 50% in allen Bereichen gekürzt werden. Das trifft insbesondere die 4 Jugendtreffs in Baden-Baden, Steinbach, Sandweier und Haueneberstein, und die beiden weiteren der Caritas, in Oos und Briegelacker. Mit nur der Hälfte des Geldes und des Personals kann das Kinder- und Jugendbüro (KiJuB) und die Caritas nicht alle weiter betreiben.

Die Jugendtreffs bieten einen essenziellen Raum für Kinder und Jugendliche, um sich frei entfalten zu können, Freund*innen zu treffen und soziale Unterstützung zu bekommen. Knapp 1.000 Kinder und Jugendliche in Baden-Baden besuchen die Jugendtreffs in einem Jahr (stand 2023). Für viele sind diese Räume ein sicherer Ort, vor allem wenn es zu Hause oder in der Schule Probleme gibt. Ohne Jugendtreffs brechen vielen Kindern und Jugendlichen täglich wichtige Räume des sozialen Lebens weg. Die Einrichtungen, sowie Projekte, wie Erlebniswochen, vom KiJuB helfen u.a. dabei die immer weiter steigende Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen und soziale Fähigkeiten auszubilden. Ohne eigene und begleitete Räume, wie Jugendtreffs, erhöht sich außerdem das Konfliktpotenzial mit anderen sozialen Gruppen, als auch das Gefährdungspotenzial der Kinder und Jugendlichen selbst, wenn Fachkräfte keinen Blick auf die Situation haben.
Auf die Hilfe der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) sind überwiegend Kinder und Jugendliche angewiesen, welche aus sozial Schwachen Familien kommen. Häufig fällt es diesen Kindern und Jugendlichen in der Schule, dem sozialen Umfeld oder der Familie schwer. Die OKJA und Jugendtreffs können Bedarfe identifizieren, direkt helfen oder an Fachstellen vermitteln, sodass Kindern und Jugendlichen niedrigschwellig und gezielt geholfen werden kann. U.a. durch das Streetwork geht die OKJA direkt auf Kinder und Jugendliche zu und kann sie, anders als Schulen und Eltern, direkt in ihrem sozialen Umfeld unterstützen. Durch direkte Beratungsangebote können Kindern und Jugendlichen in verschiedensten Situationen direkt geholfen werden, vor allem dann, wenn über bestimmte Themen nicht mit Eltern oder Lehrkräften gesprochen werden möchte. Das Kinder- und Jugendbüro in Baden-Baden (KiJuB) berät direkt von Problemen in der Schule, über soziale Probleme bis hin zu Konflikten mit dem Gesetz und kann ggf. an Fachstellen weitervermitteln. Fallen diese Angebote für einige Kinder und Jugendliche weg, fehlt den Betroffenen ein vertrauenswürdiger Raum und die Sicherheit Hilfe zu bekommen, wenn sie gebraucht wird.
„Ich wünsche mir, dass wir bei allen Einsparungen, nie den Blick dafür verlieren, wer Unterstützung am dringendsten braucht.“ Beate Schneider, Stadträtin für die Linke in Baden-Baden.
In einer Zeit, in der immer mehr Menschen in die Armut rutschen oder kurz davor sind, nehmen, vor allem nach der Pandemie und dem Lockdown, auch die Probleme der Kinder und Jugendlichen zu. Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Überlastung, sozialer Angst, Einsamkeit und Depressionen. Währenddessen haben viele Eltern, u.a. dadurch, dass beide Elternteile arbeiten müssen, um genug Geld zu verdienen, immer weniger Zeit für ihre Kinder. Gleichzeitig haben Schulen durch den Mangel an Lehrkräften und Schulsozialarbeiter*innen keine Kapazitäten für die Unterstützung über den Unterricht hinaus. Hier fängt die OKJA, einen Teil der, Kinder und Jugendlichen auf, welche durch das Raster fallen, den Anschluss verlieren und auf Unterstützung angewiesen sind.
Darüber hinaus übernimmt das KiJuB Aufgaben der politischen Bildung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Stadt. Zu Wahlen, wie z.B. der Bundestagswahl, veranstaltet das KiJuB Infotage, an denen z.B. Kinder und Jugendliche den Direktkandidat*innen Fragen stellen, oder in den direkten Austausch mit Politiker*innen gehen können. Das KiJuB organisiert, gemeinsam mit dem Jugendforum, außerdem jährlich die Jugendkonferenz, über welche Kinder und Jugendliche in Baden-Baden ihre Ideen und Forderungen direkt an die Vertreter*innen der Stadt Baden-Baden stellen können. Durch das Jugendforum und die Jugendsprecher*innen können die Kinder- und Jugendlichen direkt am politischen Geschehen im Baden-Badener Gemeinderat, bzw. Jugendhilfeausschuss beteiligt werden. Vor allem bei diesen Kürzungen scheint der Stadt diese Position aber herzlich egal zu sein.
Diese politische Bildung ist in erster Linie Demokratiefördernd, da nicht nur die Kinder und Jugendlichen an der Politik, auch wenn sie noch nicht wählen dürfen, teilhaben können, sondern auch Volksvertreter*innen die Sorgen und Wünsche derjenigen zu hören bekommen, welche meist untergehen. Ohne demokratiefördende Maßnahmen, wie politische Bildung und Teilhabe, gefährdet die Stadt, dass Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen nicht beachtet werden und sie selbst keine Chance darin sehen sich politisch oder gesellschaftlich zu engagieren. Zusätzlich werden mehr Kinder und Jugendliche anfällig für rechte Hetze und Rechtspopulismus.
Mit den Kürzungen sorgt die Stadt Baden-Baden dafür, dass das KiJuB die aktuellen Aufgaben nicht mehr stemmen kann. Sie sorgt für die Schließung von Jugendtreffs oder Beratungsangeboten und somit dafür, dass abgehängte Kinder und Jugendliche nicht unterstützt werden können. Außerdem treibt sie mit der Gefährdung der politischen Bildung Kinder und Jugendliche in radikale Kreise mit populistischen und menschenfeindlichen Ansichten. Um die vielen Aufgaben der OKJA tatsächlich bewältigen zu können braucht die Kinder- und Jugendarbeit nicht weniger, sondern mehr finanzielle Mittel.
Wir fordern die Fraktionen im Gemeinderat und OB Späth dazu auf, die Kürzungen in der Kinder- und Jugendarbeit komplett zurückzunehmen. Wir fordern die Landesregierung auf, der Stadt Baden-Baden mehr Handlungsspielraum im Haushalt zu ermöglichen und sie nicht dazu zu zwingen im sozialen Bereich zu kürzen.